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Multi-Touch Kurztest: Dell Latitude XT2

Gestern kam mein neues Gadget in Form einens Dell Latitude XT2 bei mir an. Dieser Convertible (also Tablet PC, den man so klappen kann, dass die Tastatur verschwindet) ist sehr chick und die Verarbeitung gut – für den durchaus stolzen Preis kann man das auch erwarten. Einzig das Display ist eher bescheiden: Das liegt zum einen daran, dass ich die stromsparende Variante mit LED-Hintergrundbeleuchtung gewählt habe (das besser ausgeleuchtete Display hat laut Dell Röhren für die Beleuchtung, die zum einen verschleißen und zum anderen einfach mehr Strom verbrauchen und dann auch noch den Display-Deckel dicker machen sollen). Zum anderen liegt das aber auch an der DuoSense-Oberfläche, die für Mutli-Touch und Stiftbedienung notwendig ist. Die Struktur dieser berührungsempfindlichen Oberfläche ist leider auch je nach Lichteinfall zu sehen, bei normalen Lichtverhältnissen aber nicht störend. Sowohl unter Vista als auch unter Windows 7 funktioniert die Bedienung mit Stift und Fingern gut, ist aber nicht so intuitiv wie z. B. beim iPhone. Klar, denn das iPhone ist ja ausschließlich darauf ausgelegt, bei Windows ist das ja eher eine zusätzliche Option. Somit nutze ich Stift und Finger bisher eher beim Lesen von Dokumenten und bei Präsentationen. Bei der normalen Arbeit verwende ich das Gerät eher wie einen normalen Laptop mit Maus. Als nächstes werde ich nun verschiedene Technologien wie WPF und Silverlight probieren, um Multi-Touch taugliche Anwendungen zu erstellen uund über die Ergebnisse hier berichten…

Leider habe ich gleich eine schlechte Nachricht für alle Gestalter nachzuschieben: Drucksensitivität funktioniert zwar, wird aber nicht von den aktuellen Adobe Produkten unterstützt. Adobe implementiert bisher nur eine Schnittstelle namens WinTab, die zwar von Wacom aber nicht von N-Trig versorgt wird. N-Trig wiederum unterstützt die von Microsoft angebotene Schnittstelle, die auch in Office und einer Vielzahl anderer Produkte genutzt wird.

Wenn man den Diskussionen im Web folgt, scheint hier der Schwarze Peter nun hin und her gereicht zu werden, ob nun Adobe die Standardschnittstelle von Microsoft oder N-Trig den quasi Standard WinTab nachliefern sollte. Gut für Wacom, deren Multi-Touch Geräte ja noch nicht auf dem Markt verfügbar sind: Dennn sollten diese dann wie gewohnt WinTab unterstützen, wäre das sicher ein Kaufanreiz für Gestalter – natürlich nur, wenn umgekehrt andere Produkte dann nicht ignoriert werden. Übrigens scheint Druckempfindlichkeit bei N-Trig ohnehin nur im Stiftmodus und nicht bei der Fingereingabe zu gehen.

Multi-Touch Hardware

Es ist gar nicht so einfach, Hardware für echtes Multi-Touch zu bekommen, die den Anforderungen eines Entwicklers oder Gestalters genügt und dann auch noch preiswert ist (also im drei- bis vierstelligen Bereich)! Hier ein erster Zwischenstand.

Es gibt eine Reihe von Bauanleitungen für Geräte, die meist ähnlich der Lösung des wohl bekanntesten Multi-Touch Experten Jeff Han funktionieren.

  • TouchKit: http://labs.nortd.com/touchkit/ (ab ca. 1.400 USD);
  • Touchlib and FireFly MV: http://www.ledstorm.net/ (Bauanleitung);
  • 180: http://www.timroth.de/180/ (Bauanleitung);
  • Flashforum: http://www.flashforum.de/forum/showthread.php?t=236817 (Diskussion zu 180);
  • IDEO Home-brew Multi-touch: http://labs.ideo.com/2008/08/15/our-home-brew-multi-touch-system/ (Bauanleitung);
  • Doch selbst bauen ist nicht jedermanns Sache: Dem einen fehlt einfach die Zeit, dem anderen geht das Geschick dafür ab. Und viele Entwickler und Gestalter wollen sich letztendlich auf die Erstellung neuer Anwendungen konzentrieren und weniger mit Lötkolben jonglieren. Es gibt zwar auch Anbieter, die fertige Lösungen in den verschiedensten Formen anbieten, doch diese sind durch die Bank recht teuer und außerdem auf Grund von Größe und Gewicht eher schwierig zu transportieren. Und einfach transportabel soll es für die Demonstration bei Konferenzen und Kunden schon sei – mal ganz davon abgesehen, dass die meisten Tüftler über eher beengte Raumverhältnisse im Homeoffice verfügen.

    Eine andere Einschränkung ist der Mangel an Treibern für Betriebssysteme wie Windows 7. Und alternative Kommunikationswege wie beispielsweise TUIO werden auch nicht immer geboten. Deshalb profitieren normale Anwendungen oder Technologien wie Flash und Silverlight nicht oder nur mit zusätzlichem Aufwand davon:

  • Perceptive Pixel (Jeff Han): http://www.perceptivepixel.com/ (u. a. Multi-Touch Wall, angeblich für 100.000 USD);
  • Microsoft Surface: http://www.microsoft.com/surface/Default.aspx (ab ca. 12.500 USD);
  • Touchmaster: http://www.tech.artcom.de/de/products/touchmaster;
  • CUBIT: http://labs.nortd.com/cubit/ (kommerzielle Variante des TouchKit);
  • Vertigo systems living surface: http://www.livingsurface.com/ (Interaktive Böden, Wände und Tische);
  • Wer dagegen nur Single-Touch benötigt, der findet eine große Anzahl an Geräten zu erschwinglichen Preisen auf dem Markt.

    Die recht neue Gattung der Küchen-Rechner – auch „All-in-One-PC“ genannt – von Dell namens Dell Studio One und der auf NextWindow Optical Touch basierende HP namens TouchSmart Desktop-PC kommen nicht in Frage, da beide maximal zwei Finger (Dual-Touch) gleichzeitig verarbeiten (siehe auch http://www.touch-base.com/documentation/Documents/nextwindow_multitouch.pdf).

  • Dell Studio One: http://www.dell.de (nicht alle Geräte verfügen über Multi-Touch);
  • HP TouchSmart Desktop-PC: http://www.hp.com/;
  • Auf Seiten der Laptops mit Multi-Touch erscheinen bisher ebenfalls nur Dell und HP als Anbieter auf dem Markt. Der Dell Latitude XT, dessen Nachfolger XT2 und der HP TouchSmart TX2 basieren auf der DuoSense Technologie von N-Trig, die sowohl die Arbeit mit einem Stift als auch die Eingabe von Gesten mit mehreren Finger erlaubt. Das neue Dell-Gerät hat schon einen stolzen Preis und bietet dafür eine recht schwache Performance. Der HP-Tablett-PC unterscheidet sich davon in erster Linie dadurch, dass er – auch dank spiegelndem Display und fleißigem Lüfter – offensichtlich eher auf Consumer zugeschnitten und deutlich günstiger ist. Für Entwickler- und Vorführzwecke sind beide somit nur eingeschränkt geeignet. Es gibt zwar noch weitere Anbieter, die Multi-Touch versprechen, doch bezieht sich das meist auf das verbaute Trackpad und nicht den Bildschirm.

  • Dell Latitude XT: http://www.dell.de;
  • Dell Latitude XT2: http://www.dell.de;
  • HP TouchSmart TX2: http://www.hp.com/;
  • Eigentlich würde es ja auch ein Display mit Mulit-Touch tun. Das wäre einigermaßen transportable und die Hardware und deren Performance dann frei wählbar. Die Versuche, entsprechende Entwicklergeräte bei 3M oder N-Trig zu bestellen, sind leider gescheitert. 3M schien nicht in der Lage, nach Deutschland zu liefern. N-Trig hat auf Anfragen gar nicht erst geantwortet.

  • 3M Multi Touch Developer Kit: http://www.3m.com/multitouch;
  • N-Trig DuoSense Development System: http://www.n-trig.com/Content.aspx?Page=PressReleases&PressReleaseId=444;
  • Ach ja, es geht natürlich auch nur per Webcam, wie Microsoft recht Eindrucksvoll im Project Natal zeigt – auch wenn böse Zungen behaupten, dass das an Logitechs EyeToy für die PlayStation 2 erinnere. Und mit „Touch“ hat es mangels Berührung eines Gerätes eigentlich auch nichts zu tun, was sich laut Jeff Han als Nachteil erweist. Grant Skinner hat eine einfache Objekterkennungen mit Flash und WebCam bereits 2005 präsentiert, den Quellcode bisher aber offensichtlich nicht veröffentlicht. Eine als Open Source verfügbare Variante der Kamera basierten „Objektverfolgung“ in C# nennt sich Touchless – als Hardware braucht man auch hier nur eine einfache Kamera. Noch integriert sich Touchless aber nicht in das Betriebssystem und wird als SDK geliefert, so dass einiges Programmiergeschick in C# praktisch wäre. Schon länger bekannt sind die Wiimote Projekte von Johnny Chung Lee, die sich die Wii Controller (Wii Remote) und deren Infrarotverarbeitung zunutze machen.

  • Touchless: http://www.codeplex.com/touchless (SDK);
  • Johnny Chung Lees Wiimote Projects: http://johnnylee.net/projects/wii/;
  • Wer sich in das Thema Multi-Touch einarbeiten möchte, findet beispielsweise unter den folgenden Adressen einen Einstieg:

  • Schöne Demonstration von Jeff Han auf der TED Konferenz 2007: http://vpod.tv/loiclemeur/135867/videoPlayer;
  • Einführung und Übersicht: http://www.tomshardware.com/de/Touchscreens,testberichte-240158.html;
  • Pixelpark Whitepaper: http://www.pixelpark.com/de/pixelpark/_ressourcen/attachments/publikationen/090204_White_Paper_MS_Surface.pdf;
  • NUI Group, Portal rund um NUI (Natural User Interfaces): http://www.nuigroup.com/;